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Wie sieht Schule künftig aus?

Foto: werkstatt.bpb.de

Inklusives Lernen, „bunter“ Bildungsplan, Turbo-Abi

In der deutschen Medienlandschaft dreht sich zur Zeit vieles um Bildungsthemen wie Inklusion, Interkulturalität, Heterogenität, den Bildungsplan Baden-Württembergs sowie um das Schulmodell G8. Der GEW-Medienmonitor greift diese Debatten auf und gibt einen Überblick über die medialen Ansichten und Diskussionen.

Was gibt es Neues vom gemeinsamen Lernen von Menschen mit und ohne Behinderung? Was verbirgt sich hinter dem Begriff des „bunten“ Bildungsplans aus Baden-Württemberg und was hat es mit der Forderung nach “Regenbogen-Schulbüchern” auf sich? Und wie kann Schüler_innen der Stress und Druck genommen werden, den ihnen das Turbo-Abi verschafft? Außerdem stellt der Medienmonitor eine neue Schulinitiative in Berlin vor, die sich vor allem benachteiligten Schüler_innen zuwendet.

Während Land und Kommunen in Nordrhein-Westfalen noch um die Kostenübernahme für inklusive Schulklassen streiten, wie Spiegel Online und der bildungsklick berichten, gibt es in Hamburg bereits eine Schule, die seit 20 Jahren gemeinsamen Unterricht für Kinder mit und ohne Behinderung anbietet. Pit Katzer ist Rektor an der dortigen Erich Kästner Schule und erklärt in Zeit Online unter anderem den Unterschied zwischen Integration und Inklusion: „Integration geht von einer Zwei-Gruppen-Theorie aus. (…) Bei der Inklusion dagegen geht man von einer sehr hohen Heterogenität aller Schüler aus, vom Hochbegabten bis zum Schüler mit einer geistigen Behinderung.“ Dabei sei das Lernziel nicht für jede_n Schüler_in gleich. Obwohl Inklusion inzwischen auch offizielles politisches Ziel ist, hat die Schule mit ähnlichen Problemen wie die in Nordrhein-Westfalen zu kämpfen: Das Geld für zusätzliche Lehrkräfte und Klassenräume ist knapp, so Katzer, und die Zukunft der Schule daher nicht gesichert.

Nicht sicher ist überdies, wie „bunt“ der neue Bildungsplan von Baden-Württemberg tatsächlich aussehen wird, der ab 2015 gelten soll: Eigentlich war geplant, das Thema „Vielfalt sexueller Orientierungen“ mehr bzw. überhaupt in den Unterricht einfließen zu lassen, so zum Beispiel Zeit Online, um so die Realität neben heterogenen Partnerschaften und dem klassischen Mann-Frau-Schema darzustellen und die Schüler_innen dafür zu sensibilisieren. Doch es erheben sich viele tausende Gegenstimmen: In einer Onlinepetition fordern knapp 200.000 Baden-Württemberger die Streichung dieser „Umerziehungspläne“, wie sie es nennen. Die Petition ist bereits beim Landtag eingereicht, wie das Schwäbische Tagblatt berichtet. Eine Gegenpetition gibt es ebenfalls bereits, die beispielsweise der Blogger Christian Spannagel unterzeichnet hat. Er schlägt in einem Kommentar vor, dass homosexuelle Paare, polyamore Beziehungen, Patchwork-Familien genauso wie beispielsweise Menschen mit Behinderungen in Geschichten und Kontexten aller Lehrmaterialien auftauchen sollen, ohne dass diese groß thematisiert werden, aber dennoch Lernende sensibilisieren können und vor allem die gesellschaftliche Realität abbilden. “Ich will Regenbogen-Bücher haben”, schließt Spannagel seinen Kommentar.

Groß thematisiert wird in den letzten Wochen das Thema Abitur in der zwölften Jahrgangsstufe, das in fast allen Bundesländern mittlerweile so eingeführt worden ist. Während der Unterrichtsstoff gleich geblieben sei, habe sich die Gymnasialzeit um ein Jahr verkürzt, weshalb viele Schüler_innen unter Leistungs- und Zeitdruck litten (und oft auch deren Eltern). Das sogenannte Turbo-Abitur steht in der Kritik. Nun muss überlegt werden, wie eine Wende hin zu weniger Druck und Stress für die Lernenden aussehen kann, so die Süddeutsche Zeitung. Die Debatte wird vor allem auch in Bayern geführt, wobei die CSU-Regierung bereits an einer Exit-Strategie hin bzw. zurück zu G8 arbeitet wie Spiegel Online und die Süddeutsche Zeitung berichten. Den Eltern in Bayern gehe es vor allem um die sinnvolle, inhaltliche Ausgestaltung der Schulzeit. In welcher Zeit dies geschieht, ist zunächst nicht so relevant, berichtet der bildungsklick und führt die Forderungen auf, die Schulen erfüllen sollen.

In Berlin interessiert die beiden Hochschulabsolventen Fiona Brunk und Stefan Döring indes weniger das Turbo-Abitur als vielmehr der Umgang in Schulen mit den Themen Lernende mit Migrationsgeschichte und sozial schwächere Schüler_innen, die manchmal auch zu Problemfällen in den Klassen werden, wie Zeit Online berichtet. Brunk und Döring wollen solche Schüler_innen mit einer neuen Schulidee, die ab diesen Sommer mit einer Klasse umgesetzt werden soll, gezielt fördern. Schüler_innen aus den Klassenstufen sieben bis zehn würden so zu einem Abschluss geführt und auch darüber hinaus betreut werden. Ihnen solle jeweils ein_e Tutor_in zur Seite gestellt werden, später ein_e Mentor_in. Aber bevor es soweit ist, so schreibt Zeit Online, müssen Brunk und Döring erst einmal weitere bürokratischen Hürden zur Schulgründung bewältigen.

 

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